Leckerlies in der Hundeerziehung

Bei Leckerlies spalten sich die Hundebesitzer in 2 Gruppen: die einen, die ständig mit Leckerlies den Hund belohnen und teilweise sogar die gesamte Futterration vom Hund erarbeiten lassen – die anderen, die komplett auf Leckerlies verzichten. Was ist jetzt die bessere Variante?

Leckerlies als Belohnung

Sie sind zur Belohnung sehr gut geeignet und dienen oft als primärer Verstärker. D. h. der Hund wird für sein Verhalten mit einem Leckerlie belohnt und wird in Zukunft dieses Verhalten auch öfter zeigen. Darauf schwören die Verfechter des Leckerlie-Trainings und sind der Ansicht, damit dem Hund alles beibringen zu können.

Aber ob das so funktioniert?

Die meisten Hunde sind verfressen und machen alles mögliche, um an das Leckerlie zu kommen. Als Hundebesitzer würde man dann diesen Umstand gerne bei schwierigen Problemen nutzen – z. B. bei den Leinenpöblern. Man hält dem Hund das Leckerlie vor die Nase und hofft inständig, dass er dieses Leckerlie wesentlich interessanter findet als den anderen Hund.

2 Möglichkeiten

Die Reaktion des Hundes kann man in 2 Möglichkeiten unterteilen: entweder der Hund sieht tatsächlich nur noch das Leckerlie und registriert den anderen Hund nicht oder er denkt sich „heb das Leckerlie für später auf, jetzt muss ich erst den Hund platt machen“.

Lerneffekt

In der ersten Situation setzt sich der Hund nicht mit dem Artgenossen auseinander – das Problem wird quasi verdrängt. In dem Moment, wenn auf einmal unvorhergesehen ein Hund „um die Ecke kommt“, wird er wieder ausflippen. In der zweiten Situation hat der Hund einen höheren Stellenwert als das Leckerlie und der Hundebesitzer kann schauen, wie er den Leinenrambo wieder in den Griff bekommt.

Erkauftes Verhalten

Wenn Leckerlies für das Alltagstraining (bspw. Rückruf, Leinenführigkeit) eingesetzt werden, mutieren sie schnell zur Bestechung und der Hund weiß gar nicht wirklich, was ich von ihm möchte. Außerdem kommt es oft vor, dass der Hund das gewünschte Verhalten gar nicht zeigt, wenn ich keine Leckerlies dabei habe.

„Schneller, höher, weiter..“

In diesem Sinn schafft es so mancher Hund, dass sein Besitzer auch ständig etwas neues, besseres mitnimmt. Dann reichen die trockenen Futterbrocken nicht mehr, dann muss es getrocknetes Fleisch sein… und dann getrocknete Herzen… und dann die Fleischwurst… und dann den Käse… Das artet dann ganz schnell in Stress aus, da der Hundebesitzer immer auf der Suche nach dem „ultimativen“ Leckerlie ist.

Erwartungshaltung

Erwartungshaltung

Leckerlies steigern auch eine Erwartungshaltung beim Hund. Wenn ich bspw. dem Hund den Befehl „Decke“ beibringe und ich gebe ihm immer ein Leckerlie, wenn er auf der Decke liegt, wird er immer angspannter dort liegen und warten, wann es etwas zu fressen gibt.

Ganz ohne Leckerlies?

Für die Kopfauslastung sind Leckerlies sehr gut geeignet. Wenn bspw. mit dem Futterbeutel gearbeitet wird und der Hund den Beutel suchen muss, wird er vom Hundebesitzer aus dem Beutel belohnt, wenn er ihn zurückgebracht hat. Da kann der Hund seine Nase sinnvoll einsetzen und man arbeitet auch gleichzeitig an der Bindung zum Hund. Auch bei anderen Schnüffelspielen ist es sinnvoll, Leckerlies einzusetzen.

Klickertraining

Auch beim Klickertraining macht der Einsatz von Leckerlies Sinn. Der Hund lernt, auf das Geräusch des Klickers bekommt er ein Leckerlie. Daher wird er ausprobieren was er tun muss, um das Leckerlie von mir zu erhalten. Von einfachen Kunststücken (wie bspw. aufräumen, benannte Gegenstände bringen) bis hin zu Hilfen im Alltag (bspw. Licht anmachen, Tür schließen) kann der Vierbeiner so alles lernen.

Fazit

Für den Alltags-Gehorsam sind Leckerlies meist wenig geeignet, aber wenn sie für die Kopfauslastung zum Einsatz kommen, kann man den Hund sehr gut motivieren.